Regionalverbund
Nordostdeutsches Tiefland
im BMBF-Förderschwerpunkt
 “Zukunftsorientierte Waldwirtschaft”
des Programms der Bundesregierung “Forschung für die Umwelt”

Zukunfts-
orientierte
Wald-
wirtschaft

Aktuelles
Überregional
BFH 1
BFH 2
BFH 3
BTU 1-3
IFU
LFE 1
LFE 2
Kontakt

“Forschung für die Umwelt, Teilbereich: Zukunftsorientierte Waldwirtschaft”

Geographischer Projektverbund “Nordostdeutsches Tiefland”

Projekt:

Vergleichende humus-, wurzel- und mykorrhizaökologische Untersuchungen

zum Umbau von Nadelholzbeständen in naturnahe

Laubwaldrein- und -mischbestände

des Nordostdeutschen Tieflands

(Förderzeichen 0339754)

 

Förderzeitraum:              01.06.2000 bis 31.05.2003

Projektleitung:                Prof. Dr. R. F. Hüttl (BTU)

Projektkoordination:      Dr. Oliver Bens (BTU)

Projektbearbeitung:         Dr. Oliver Bens; Humusökologie (BTU)

                Dr. Bernd Uwe Schneider; Wurzelökologie (BTU)

                Dr. Babette Münzenberger; Mykorrhizaökologie (ZALF)

 

Institutionen: 

 

 

Das übergeordnete Ziel des Forschungsvorhabens ist die Analyse und Beschreibung der ökologischen Effekte des Umbaus von Kiefernforstökosystemen in Buchen-Kiefern-Mischbestände. Im Rahmen der geplanten Arbeiten sollen traditionell bewirtschaftete Kiefernforste, unterbaute Kiefernbestände sowie Buchenaltbestände nach Kiefer im Vorbestand als die in diesem Kontext relevanten Bestandesphasen bzw. waldbaulichen Alternativen vergleichend untersucht werden.

Für die in Kooperation mit der BFH Eberswalde ausgewählten Versuchsflächen im Nordostdeutschen Tiefland werden die für eine Bewertung von bestandes- und bodenökologischen Parametern wichtigen Kennwerte der Wurzelverteilung, Wurzelwuchsdnamik, Mykorrhizierung sowie Humusverteilung, -morphologie sowie -chemie gekennzeichnet und ihre funktionelle Bedeutung durch prozeßorientierte Forschungsansätze geklärt.

Das Vorhaben gliedert sich in drei Teilprojekte, die organisatorisch und methodisch eng verknüpft die Teilgebiete organische Bodensubstanz/Humusökologie (Teilprojekt 1), Dynamik und Leistung des Wurzelwachstums/Wurzelökologie (Teilprojekt 2) sowie Diversität und Leistung von Mykorrhizen/ Mykorrhizaökologie (Teilprojekt 3) untersuchen.

Das Vorhaben ergänzt die im Rahmen des Programms der Bundesregierung "Forschung für die Umwelt - Zukunftsorientierte Waldwirtschaft" durchgeführten Untersuchungen zur Erarbeitung ökologischer und naturschutzfachlicher Grundlagen und zur Ermittlung der ökologischen Grenzen der Anbauwürdigkeit von Buche beim Waldumbau von Kiefernreinbeständen im Nordostdeutschen Tiefland. Die Untersuchung der umbaubedingten Veränderung von Humuszustand und Humusform, der Konkurrenz bzw. Komplementarität von Wurzelsystemen der im Mischbestand wachsenden Baumarten sowie der damit einhergehenden Veränderung von Ökologie und Artenspektrum der Mykorrhizapartner ist für eine schlüssige Beurteilung der ökologischen Folgewirkungen des Waldumbaus auf den Boden-/Humuszustand, den Bodenwasserhaushalt, den Nährstoffkreislauf und die Standortproduktivität zwingend. Die Ergebnisse liefern Einblicke in die Anpassungsfähigkeit der im Mischwald vereinten Baumarten und die möglichen synergistischen Effekte bei der Nutzung des standörtlichen Potentials. Im Einzelnen werden dazu an unterschiedlich umgebauten Kiefern- und Buchenreinbeständen und –mischbeständen in den Revieren Kahlenberg und Liepe die folgenden Untersuchungen durchgeführt:

 

Teilprojekt 1: Organische Bodensubstanz/Humusökologie

Hypothesen:

Durch den Waldumbau entstehen kleinräumig variierende Strukturen, die den Humushaushalt mit Blick auf Vorrat, räumliche Verteilung (in Streuauflage und im Mineralboden) und Beschaffenheit beeinflussen. Der Humus unterliegt im Zuge seiner Entwicklung diagnostischen morphologischen und stofflichen Veränderungen, die sich als Folge der Umsatzleistung am Standort, der Stoffeinträge durch Deposition, der Bestandesstruktur, sowie der Bewirtschaftungsmaßnahme Waldumbau ergeben. Dementsprechend ist die Humusform das Ergebnis aktueller Standorteigenschaften und Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie darüber hinaus vergangener Einflüsse, wie u.a. der Nutzungshistorie. Es wird die zentrale Hypothese zugrundegelegt, dass die Humusform die Funktion eines integrierenden Indikators für die Beurteilung des Entwicklungszustandes des Bodens bzw. des Stoffhaushalts von (umgebauten) Forstökosystemen besitzt.

Ziele:

Übergeordnete Ziele des Teilprojektes sind, in unterschiedlich umgebauten Rein- und Mischbeständen (Buche/Kiefer) des Nordostdeutschen Tieflandes, das (1) Aufklären der Auswirkungen von Umbaumaßnahmen auf den Humushaushalt und die im Humus gespeicherten Nährstoffe, (2) Beschreiben und Erklären der Entwicklung des Humushaushaltes und (3) Klassifizieren von Humusformen als wichtige Kenngröße der Pedogenese. Zudem wird die Eignung der Humusform als Indikator für den Entwicklungszustand des Bodens und des Stoffhaushalts umgebauter Standorte untersucht und charakterisiert.

Methoden:

Zustand und Veränderung von Humusformen sollen anhand morphologischer und strukturchemischer Merkmale der organischen Substanz charakterisiert werden. Dieses erfolgt mit Hilfe moderner Analysemethoden (Mikroskopie, 13 C-NMR-Spektroskopie, AAS, ICP). Auf der Grundlage von Stoffgehaltuntersuchungen werden kompartimentspezifische Bilanzierungen zur Aufklärung der Bedeutung des Humus als Langzeitspeicher an den Standorten vorgenommen. Zudem wird vergleichend die Reaktivität organischer Substanz (Mineralisierungsgeschehen und Stofffreisetzung) im Zuge von Inkubationsexperimenten ermittelt. Darüber hinaus werden neue Ansätze zur Untersuchung der organischen Bodensubstanz mit Blick auf ihre Bedeutung für den Wasserhaushalt an Forststandorten entwickelt. Besonderes Augenmerk gilt der Infiltration und der Wasserspeicherung.

Erwartete Ergebnisse:

Es wird erwartet, dass die Untersuchungen Hinweise zur Verteilung, Beschaffenheit und stoffhalterischen Bedeutung von Humus an umgebauten Forststandorten liefern. Ferner wird mit einer Veränderung der Humusformen beim Vergleich von Rein- und Mischbestand gerechnet. Durch die strukturchemische und morphologische Analyse organischer Bodensubstanz sowie durch die Bilanzierung von Stoffvorräten auf der Basis von Elementgehaltsbestimmungen werden Aussagen zur Dynamik des Stoffhaushalts umgebauter Bestände möglich. Die Kenntnis der ökologischen Bedeutung von Humusformen und der Entwicklungsdynamik bei der Bildung von Humusformen stellt die Bewertungsgrundlage für ökologische Folgewirkungen auf Boden-/Humuszustand, Bodenwasserhaushalt und Nährstoffkreislauf und somit auf die Standortproduktivität dar. Dieses bildet die Grundlage, die Humusform als integrierenden Indikator zur Beurteilung des Entwicklungszustandes des Bodens bzw. des Stoffhaushalts von Forstökosystemen zu nutzen. Die Kenntnis der Indikatorleistung ermöglicht auch die Beurteilung anderer gestörter Forstökosysteme, z.B. im Bereich forstlich rekultivierter Bergbaustandorte oder im Bereich aufgeforsteter ehemaliger Ackerstandorte.

 

Teilprojekt 2: Dynamik und Leistung des Wurzelwachstums/Wurzelökologie

Hypothesen:

Für grundwasserferne Standorte des Nordostdeutschen Tieflands wird vermutet, dass sich im Zuge des Umbaus von Kiefernrein- in Buchen/Kiefern-Mischbestände mehrschichtig strukturierte Wurzelsysteme entwickeln und dadurch die Bodenwasservorräte der zumeist sandigen Substrate komplementär genutzt werden. Es wird erwartet, dass sich hieraus verbesserte bestandesklimatische Bedingungen entwickeln und damit das Trockenstressrisiko in Mischbeständen gesenkt wird.

Ziele:

Ziel der wurzelökologischen Untersuchungen ist es, die baumartspezifische zeitliche und räumliche Variabilität des Wurzelwachstums in unterschiedlichen Stadien des Umbaus von Kiefern- zu Buchenmisch- bzw. –reinbeständen zu kennzeichnen. Die Untersuchungen gliedern sich in die folgenden Ansätze:

Kontinuierliche Erfassung der Wachstumsrhythmik: In Misch- und Reinbeständen soll mit Hilfe der Minirhizotronen-Technik das Wachstum von Feinwurzeln in vertikaler und horizontaler Richtung kontinuierlich erfasst und mit den zeit-räumlichen Veränderungen des Bodenwassergehaltes in Beziehung gesetzt werden. Es soll geprüft werden, ob Wurzelsysteme in Mischbeständen miteinander in Konkurrenz stehen oder ob Unterschiede in der Tiefenfunktion auf eine komplementäre Nutzung des standörtlichen Potentials hindeuten. Darüber hinaus wird geprüft, ob das Vermögen zur Durchwurzelung tiefer Bodenhorizonte baumartenspezifisch variiert und ob es im Zuge von Austrocknung und Wiederbefeuchtung Unterschiede im Wachstumsverhalten gibt. Eine Kennzeichnung der Wurzelverteilung bis in größere Tiefen (> 4 m) erscheint hierbei besonders auf tiefgründigen, grundwasserfernen Standorten des Nordostdeutschen Tieflands im niederschlagsbedingten Grenzbereich des Buchenanbaus von besonderer Bedeutung zu sein.

Ermittlung der Lebensspanne von Wurzeln: Durch Einsatz von Minirhizotronen ist eine optische Erfassung von Bildung, Lebensspanne und Abbau von Feinwurzeln möglich. Entsprechende Ergebnisse ermöglichen eine Überprüfung der zumeist auf inventorischen Erhebungsmethoden beruhenden Modelle. Beobachtungen zur Lebensspanne von Wurzeln bzw. Mykorrhizen sollen zeigen, wie schnell sich Auf- und Abbau von Wurzeln in Humusauflage, Ober- und Unterboden vollziehen und welche Bedeutung baumartenspezifische Unterschiede im Wurzelumsatz u.a. für die physiko-chemischen Eigenschaften der organischen Auflage und den gesamten Stoffhaushalt des Ökosystems haben. Durch den Einsatz der Rhizotronentechnik sind die Vorraussetzungen für ein langfristiges Wurzelmonitoring gegeben.

Optimierung bestehender Wasserhaushaltsmodelle: Durch die kontinuierliche Beobachtung des Feinwurzelwachstums ergibt sich die Möglichkeit, Wechselwirkungen zwischen Wurzelwachstum und Wassergehaltsänderungen des Bodens zu untersuchen. Im Einzelnen, gilt es zu prüfen, welchen Einfluss Wurzelbildung und –aktivität in Phasen zunehmender Austrocknung bzw. nach Wiederbefeuchtung auf das Bodenmatrixpotential haben. Bei der in sandigen Substraten zumeist erhöhten hydraulischen Leitfähigkeit erscheint es denkbar, dass die Wurzelverteilung sich den Änderungen des Bodenwassergehaltes zeitlich und räumlich bedingt anzupassen vermag. Da die etablierten Modelle zur Berechnung von Wasserflüssen auf statischen Wurzelverteilungen basieren, soll mit diesem Ansatz versucht werden, mit Hilfe eines dynamischen Wurzelwachstumsmoduls bestehende Wasserhaushaltsmodell zu optimieren.

 

Teilprojekt 3: Diversität und Leistung von Mykorrhizen/ Mykorrhizaökologie

Hypothesen:

Durch den Waldumbau entstehen kleinräumig variierende Strukturen, die die biologische Vielfalt der Mykorrhizaformen erhöhen. Mykorrhizaformen unterscheiden sich in ihren ökophysiologischen Leistungen. Die in den ausgewählten Beständen (Rein- und Mischbestände) auftretenden Mykorrhizaformen sind an die jeweiligen ökologischen Bedingungen des Waldökosystems adaptiert. Dies wird sich in einer Veränderung des Formenspektrums und in einer unterschiedlichen Funktion der Mykorrhizaformen in Rein- bzw. Mischbeständen ausdrücken.

Ziele:

Ziele des Teilprojektes sind die Charakterisierung der Diversität, Häufigkeit und Verteilung der Mykorrhizaformen in Rein- und Mischbeständen (Buche/Kiefer) des Nordostdeutschen Tieflandes und Untersuchungen zu ihrer Funktion. Die unterschiedliche Funktion der Mykorrhizaformen soll durch Nährelementgehaltsbestimmungen erfasst werden.

Methoden:

Die Mykorrhizaformen sollen anhand morphologischer und anatomischer Merkmale des Hyphenmantels charakterisiert werden. Bekannte Formen können somit identifiziert werden, unbekannte Formen sollen neu beschrieben werden. Hierzu sollen sowohl Frischpräparate als auch Semidünnschnitte von Mykorrhizaformen untersucht werden. Die Elementgehaltsbestimmungen erfolgen mit Hilfe moderner Analysemethoden (AAS, ICP, Ionenchromatographie).

Erwartete Ergebnisse:

Es wird erwartet, dass die Untersuchungen Hinweise zu Konkurrenz bzw. Komplementarität (z.B. Synergieeffekte) von Wurzel-/Mykorrhizasystemen in Mischbeständen liefern. Ferner wird mit einer Veränderung des Artenspektrums der Mykorrhizaformen und ihrer Ökologie beim Vergleich von Rein- und Mischbestand gerechnet. Durch die Elementgehaltsbestimmungen werden Aussagen zur Wasser- und Nährstoffaufnahme sowie zur Nährstoffspeicherung möglich. Dies stellt die Bewertungsgrundlage für ökologische Folgewirkungen auf den Boden-/Humuszustand, den Bodenwasserhaushalt und den Nährstoffkreislauf und somit auf die Standortproduktivität dar. Die Kenntnis der an die jeweiligen Standorte adaptierten Mykorrhizaformen stellt die Voraussetzung für die kommerzielle Produktion mykorrhizierter Waldbäume für den Waldumbau, die forstliche Rekultivierung ostdeutscher Braunkohlereviere und die Aufforstung von Ackerflächen dar.

 

[Home] [Aktuelles] [Überregional] [BFH 1] [BFH 2] [BFH 3] [ BTU 1-3] [IFU] [LFE 1] [LFE 2] [Kontakt]

webmaster@waldkunde-eberswalde.de