Regionalverbund
Nordostdeutsches Tiefland
im BMBF-Förderschwerpunkt
 “Zukunftsorientierte Waldwirtschaft”
des Programms der Bundesregierung “Forschung für die Umwelt”

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“Forschung für die Umwelt, Teilbereich: Zukunftsorientierte Waldwirtschaft”

Geographischer Projektverbund “Nordostdeutsches Tiefland”

Projekt:

Ökologischer Waldumbau und naturschutzbezogene Waldforschung im Nordostdeutschen Tiefland

TPI: Möglichkeiten und Grenzen der Strukturierung naturnaher Waldaufbauformen auf der Grundlage ökologischer Wuchsreihen von Eiche und Eiche/Kiefer im Nordostdeutschen Tiefland

(Förderkennzeichen 0339975)

 

Förderzeitraum:              01.04.2000 bis 31.03.2003

Projektleitung:                Prof. Dr. C. Majunke (LFE)

Projektkoordination:        Prof. Dr. K.-W. Lockow

Projektbearbeitung:          A. Muchin

          F. Glor

 

Institutionen:

  
    
Landesforstanstalt Eberswalde (LFE)

    Abteilung Waldbau/Waldwachstum

    Dezernat Waldwachstum

    Alfred Möller Straße 1

    16225 Eberswalde

 

Einleitung:

Das Dezernat Waldwachstum der Landesforstanstalt Eberswalde will mit diesem Projekt die wissenschaftlichen Grundlagen für den laufenden Waldumbau in nordostdeutschen Tiefland erweitern. Im Blickpunkt stehen hierbei die Stiel- und Traubeneiche, welche in der Zukunft eine tragende Rolle in der Bewirtschaftung der Wälder innerhalb des nordostdeutschen Tieflands übernehmen sollen. Um zu gewährleisten, dass die heutigen Vorstellungen auch tatsächliche erfüllt werden könne, benötigt man entsprechendes Wissen über das Wachstum der beiden Eichen unter den Standortsbedingungen des nordostdeutschen Tieflands.

Die Trennung von Trauben- und Stieleiche wurde aus dem Grunde vorgenommen, weil sie sich in ihrer Standortsamplitude unterschieden, was nur eine folge unterschiedlicher Toleranzen gegenüber bestimmten Standortsfaktoren sein kann. eine getrennte Betrachtung ist daher unbedingt erforderlich, wenn man die Leistungspotentiale beider Eichen untersuchen will. Deshalb werden im Rahmen des Teilprojektes auch nur solche Bestände untersucht, die in ihrem äußerlichen Erscheinungsbild als relativ rein bezüglich ihrer Zugehörigkeit zu Stiel- bzw. Traubeneichen erkannt werden können.

 

Forschungsbedarf:

Der dringliche Forschungsbedarf, der bezüglich der Leistungspotentiale von Stiel- und Traubeneiche existiert, äußert sich auszugsweise in folgenden Punkten:

  • Es fehlen Kenntnisse über das Wachstum, die Entwicklung und die Qualitätsleistung der beiden Eichen.
  • So differenziert die Eichen-Ertragstafel von ERTELD (1961) nicht nach den einzelnen Eichen und trägt dem spezifischen Wachstumsgang von Stiel- und Traubeneiche keine Rechnung. Außerdem entspricht sie nicht den an eine reale Leistungsbeurteilung zu stellenden Genauigkeitsanforderungen.

    Die Stieleichen-Ertragstafel nach LEMBCKE und LUDWIG (1971) ist nicht für das gesamte nordostdeutsche Tiefland repräsentativ.

  • Es fehlen Wuchsmodelle zur Modellierung des Leistungsvermögens beider Eichen in Abhängigkeit von den Standortsfaktoren.
  • Die Toleranzgrenzen  der Trockenheitsbelastung in Funktion der edaphischen und klimatischen Verhältnisse sind noch unerforscht.

Ausgehend von diesen Wissenslücken stellt sich eine Vielzahl von Fragen, auf die sich die wissenschaftlichen Untersuchungen konzentrieren. Nachfolgend seien einige Fragestellungen stellvertretend genannt:

 

  • Welche quantitativen und qualitativen Leistungen werden von Stiel- und Traubeneiche in Abhängigkeit von den ökologischen Gegebenheiten erreicht?
  • Gibt es Standorte im nordostdeutschen Tiefland, die vom wirtschaftlichen Anbau auszuschließen sind? Welche?
  • Welche Dimensionsstruktur und Schaftqualitäten wiesen die beiden Eichen in Abhängigkeit von Standort und Alter auf?
  • Wie entwickeln sich die Konkurrenzverhältnisse von Eichen-Kiefern-Mischbeständen in Abhängigkeit vom Standort?

 

Methoden:

Zur Beantwortung dieser Fragen soll das Element der “ökologischen Wuchsreihe” einen zentralen Stellenwert einnehmen. Das bedeutet, diese Wuchsreihen werden nicht wie die herkömmlichen in Abhängigkeit von Zeit und Standortsgruppe (MOOSMAYER, 1957) gebildet, sonder auf der Grundlage der Homogenität bezüglich ökologischer, waldwachstumskundlicher, bestandes- und vegetationsstruktureller Schlüsselparameter. Eine ganz wesentlicher Punkt ist hierbei die vegetationskundliche Untersuchung, die durch die Vergabe einer ökologischen Koordinate die Zuordnung einzelner Bestände zu bestimmten Eichenwäldern bzw. -forsten ermöglicht, welche wiederum als Einstieg für die Einordnung in spezielle Wuchsreihen dienen kann.

Für die Entwicklung ökologischer Wuchsreihen ist zunächst eine umfangreiche Datenerhebung notwendig. Dazu werden zum einen bereits vorhandene Daten genutzt, wie z.B. die Aufnahmen der langfristigen Versuchsflächen der Landesforstanstalt Eberswalde sowie 60 Stammanalysen von 20 Probeflächen der Bundesforschungsanstalt. Zum anderen werden zusätzlich etwa 75 Probeflächen neu angelegt, welche i.d.R. nur einmalig aufgenommen werden, und zwar bezüglich folgender wichtiger Merkmale

* bodenkundliche                 ¥            Humuszustand, physikalische und chemische Eigenschaften

* meteorologische                ¥            Niederschlag, Temperatur

* vegetationskundliche          ¥            Vegetationsgutachten

* waldwachstumskundliche   ¥            quantitativ (Stammzahl, Durchmesser, Höhe, Vorrat, Laubmasse)

                                            ¥            qualitativ (Stammqualität, Bestandesstruktur)

Das sehr umfangreiche Datenmaterial wird anschließend mit verschiedenen statistischen Verfahren ausgewertet. Zu nennen wären graphische Tests, der parameterfreie X-Test von VAN DER WEARDEN, die einfache bzw. die mehrdimensionale Varianzanalyse sowie die Diskriminanzanalyse.

Anhand dieser Verfahren sollen die einzelnen Merkmale auf die Aussagefähigkeit hinsichtlich der Zuordnung zu den Wuchsreihen geprüft sowie die erhobene Anzahl der wachstumsbestimmenden Merkmale auf die wesentlichen beschränkt werden. Zusätzliche biete das Verfahren der mehrdimensionalen Varianzanalyse die Möglichkeit, auch die Querverbindungen zwischen den einzelnen Merkmalen zu quantifizieren.

 

Ziele:

Das angestrebte Ergebnis mündet zunächst in der Aufstellung von ökologischen Wuchsreihen für die Stiel- und Traubeneiche  als Entscheidungshilfe bei der Bauartenwahl innerhalb des Waldumbaus im nordostdeutschen Tiefland. Sie orientieren sich am Leistungspotential reiner Stiel- bzw. Traubeneiche. Der nächste Schritt besteht dann aus der Entwicklung von Wuchsreihen für Kiefern-Eichen-Mischbestände, speziell für Kiefernbestände mit Eichen-Voranbau, da das die bevorzugte Waldumbaumethode von Kiefer zu Eiche ist.

Letzten Endes erhält der Wirtschaftler vor Ort die Möglichkeit, anhand seiner individuellen Zielvorstellungen über den Anbau der beiden Eichen unter konkreten Umweltsituationen zu entscheiden.

 

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