Programm der Bundesregierung
“Forschung für die Umwelt, Teilbereich: Zukunftsorientierte Waldwirtschaft”Geographischer Projektverbund: Nordostdeutsches Tiefland Projekt:
Ökologische Voraussetzungen und Wirkungen des Waldumbaus im nordostdeutschen Tiefland
FKZ BMBF-BEO 0339731 Laufzeit: 01.03.1999 bis 28.02.2002 Projektleiter: Dr. habil. Siegfried Anders Teilvorhaben:
Die Entwicklung der Pflanzenartenvielfalt im Verlauf und Ergebnis der Umwandlung von Kiefernforsten in naturnahe Waldökosysteme Teilvorhabenverantwortlicher: Prof. Dr. habil. G. Hofmann, Waldkunde-Institut Eberswalde
1 ZielsetzungDie Erhaltung und Mehrung der biologischen
Vielfalt in Wäldern entspricht einem breiten politischen Konsens und ist im Zielsystem der deutschen Landesforstverwaltungen verankert. Gleichzeitig erfordern ökologische Probleme und ökonomische Zwänge der
Forstwirtschaft den Umbau naturferner Nadelbaumreinbestände in naturnähere Laub-Nadelbaum-Mischbestände und Laubbaumbestände. Da a priori nicht vorausgesetzt werden kann, dass Erhaltung der biologischen Vielfalt und
Reduzierung der derzeitigen Naturferne der Waldungen als gleichberechtigte Ziele auf der gesamten Waldfläche umsetzbar sind, müssen Methoden zur Quantifizierung und Vorhersage der Entwicklung biologischer Vielfalt als
wissenschaftliche Grundlage für die in Waldumbauplanungen erforderlichen Abwägungen entwickelt werden. Die im Teilprojekt durchgeführten Untersuchungen beziehen sich dabei auf die Pflanzenartenvielfalt in den Waldungen
des nordostdeutschen Tieflands. Forschungsziel ist es, die durch geplante Umbaumaßnahmen entstehenden Veränderungen in der Artenzusammensetzung und Artenvielfalt der Wälder zu quantifizieren und vorherzusagen, und
zwar flächendeckend für den gesamten Untersuchungsraum. Wichtige Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind: - Wie wirkt sich eine künstlich durchgeführte Naturannäherung der Baumartenzusammensetzung in Kiefernforsten auf das Artenspektrum der Strauch- und Bodenvegetation (nach
Pflanzenarten und deren Mengenentfaltung) aus? Dabei müssen jeweils die regionalklimatischen und standörtlichen Gegebenheiten sowie die stadialen Entwicklungszustände der im Umbau befindlichen Bestände betrachtet werden.
- Ist es möglich, die gefundenen Zusammenhänge über die Fassung von Vegetationstypen in den Umwandlungsbeständen
standortstypisch zu normieren, um sie so auf der Basis der durchgeführten Standorts- und Naturraumkartierung flächendeckend zu verallgemeinern und daraus für die gesamte zum Umbau vorgesehenen Waldfläche prognostische
Trends über die Entwicklung der Artenvielfalt in quantifizierter Form abzuleiten?Die prognostische flächendeckende Aufklärung der Artenbewegung in den Waldumbau-arealen ist einerseits von Bedeutung für die
* naturschutzfachliche Bewertung des Waldumbaus (Erhaltung seltener Arten, Zukunfts- bzw. Überlebensaussichten gesetzlich geschützter Pflanzenarten, Lebensraumqualitäten für Kleintiere) und die * wildökologische Bewertung der Umgestaltungsmaßnahmen (Veränderungen der Winteräsungskapazitäten, damit mögliche Auswirkungen auf den Äsungsdruck bei Naturverjüngungen).
Andererseits ist die Kenntnis über die Mengenbewegung aspektbestimmender Waldbodenpflanzen für die ökologische Bewertung des ”kleinen Stoffkreislaufs” in Waldbeständen im Hinblick auf die Auswirkungen auf den
Oberbodenzustand und den Wasserhaushalt des Bodens ebenso von Wichtigkeit wie für Einschätzungen von Erfolgsaussichten für wirtschaftlich verwertbare Naturverjüngungen. 2 ForschungsansatzDie Bearbeitung geht von der Analyse von Waldbeständen aus, die in ihrer
Artenzusammensetzung heute schon wichtigen Umbau-Zielstrukturen entsprechen. Das sind im wesentlichen Kiefern-Buchen-Mischbestände, Buchenunterbauten unter Kiefer, Eiche und Lärche und Kiefern-Eichen-Mischbestände. In
diesen wird unter gleichen standörtlichen Voraussetzungen ein Vergleich der Vegetations-zusammensetzungen mit Kiefernbeständen und/oder naturnahen Waldbeständen (Buchenwälder, Eichenwälder, Hainbuchenwälder) in
Abhängigkeit vom Entwicklungs-stadium des Bestandes (Dickung, Stangenholz, Baumholzstadium) vorgenommen. Diese Paarvergleiche werden repräsentativ über die beiden Klimaregionen des Gebietes und die gesamte für den
Waldumbau auf terrestrischen Standorten in Frage kommenden Standortsbreite durchgeführt. Es werden daraus Vegetationseinheiten (Halbforst- und Mischforsttypen) abgeleitet, die in sich nach Vegetationsstruktur,
Artenzusammensetzung, Artenzahl, Artenmenge weitgehend homogen und von anderen Einheiten durch prägnante Unterschiede in den genannten Merkmalen abgrenzbar sind. Es werden statistisch signifikante
Beziehungen zwischen Standort, Vegetationstyp und Pflanzenartenvielfalt abgeleitet, auf deren Grundlage eine flächenhafte Erfassung und Vorhersage der Entwicklung der Pflanzenartenvielfalt für verschiedene Szenarien des
Waldumbaus möglich wird. 3 Angewandte Methoden und Arbeitsplan:
- Aufbereitung von Grundlagenmaterial, Anfertigung von Vergleichstabellen von
Ausgangsreinbeständen, Aufarbeitung des vorhandenen Datenmaterials hinsichtlich der zum Vergleich anstehenden Vielfalt-Parameter, Aufbau einer Datenbank- Ableitung von Maßzahlen für die Pflanzenartenvielfalt, mit deren Hilfe auf der Grundlage von
Vegetationseinheiten quantifizierte und kartierbare Aussagen über die Pflanzenartenvielfalt in Wäldern abgeleitet werden können -
Auswahl von einmaligen Versuchsflächen zum Vergleich der Vegetationszusammensetzungen der Umbaubestände mit naturnahen Waldbeständen (Buchenwälder,
Eichenwälder, Hainbuchenwälder) und Ausgangs-Reinbeständen der Baumart Kiefer in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium des Bestandes (Dickung, Stangenholz, Baumholzstadium), Auswahl erfolgt repräsentativ über die
beiden Klimaregionen des Gebietes und die gesamte für den Waldumbau auf terrestrischen Standorten in Frage kommenden Standortsbereiche
- Analyse der Vegetation nach vorkommenden Pflanzenarten, Schichtung, Mengenentfaltung (prozentuale Bodenbedeckung) auf dem Minimalareal der
Vegetationseinheit, Erfassung von Humusform, Standortsformengruppe, Bestandesalter, Kronenschlußgrad und der mittlerem Kronentransparenzgrad des Bestandes - Auswertung mittels der in der Vegetationskunde üblichen Tabellenarbeit unter Nutzung der EDV
- Ableitung von Vegetationseinheiten (Halbforst- und Mischforsttypen), die in sich nach
Vegetationsstruktur, Artenzusammensetzung, Artenzahl, Artenmenge weitgehend homogen und von anderen Einheiten durch prägnante Unterschiede in den genannten Merkmalen abgrenzbar sind - Charakterisierung der erarbeiteten Vegetationseinheiten mit Hilfe der entwickelten
Vielfaltsparameter, Ableitung der angestrebten Ergebnisse
4 Angestrebte Ergebnisse:Erarbeitung eines Kataloges der
Mischbestands-Vegetationseinheiten mit ausgewiesenen Artenvielfaltsparametern und Standortsbezügen. Hieraus können standorts- und bestandeszieltypenweise Aussagen zu Artenbewegungen, potentiellen Vorkommensgebieten für
bisher nicht vorhandene Waldpflanzenarten, Prognosen über Art- und Deckungsgradveränderungen und gegebenenfalls möglichen oder zu erwartenden Artenschwund in Abhängigkeit vom jeweiligen Waldumwandlungs-Bestandeszieltyp
abgeleitet werden. |