Aktualisiert am 20. 06. 2010

Waldkunde-Institut Eberswalde GmbH

WALD und WILD
 Verfahren der wildökologischen Lebensraumbewertung als Baustein für nachhaltige Regulierung der Schalenwildbestände
 

Pflanzenartenvielfalt im Wandel
 Wirkung atmosphärischer Stickstoff-Deposition in Wäldern
 

“Zu viel Wild im Wald?” Antworten auf diese Frage suchten mehr als 180 Besucher der Jahrestagung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Niedersachsen am 12. März 2010.

Aus dem Tagungsbericht: “Dr. Martin Jenssen, Waldkunde-Institut Eberswalde, stellte in seinem Beitrag heraus, dass für eine erfolgreiche Wildbewirtschaftung ... quantifizierte Informationen über den Wildlebensraum erforderlich sind. Das an seinem Institut entwickelte Verfahren der wildökologischen Lebensraumbewertung hat zum Ziel, die dem Wild zur Verfügung stehende Umwelt im Hinblick auf ihre biotisch-ökologische Tragfähigkeit einzuschätzen. Die wildökologische Lebensraumbewertung ist eine jagdwirtschaftliche Standortserkundung und damit ein objektiver Baustein für die nachhaltige Regulierung von Schalenwildbeständen. Sie kann der Versachlichung der „Wilddiskussionen“ dienen. ... An Beispielen von Gebieten mit unterschiedlichen Lebensraumausstattungen und Schalenwildpopulationen verdeutlichte Jenssen die starke Differenzierung der ökologischen Tragfähigkeit für wiederkäuendes Schalenwild und zeigte damit die Unzulässigkeit von pauschalen Richtgrößen zur Ermittlung tragbarer Wilddichten auf.”
Friedrich Gregorius, Quelle: http://www.sdw-nds.de/

Vortrag (7 MB)

Buch zur Wildökologischen Lebensraumbewertung

Dr. Martin Jenssen bei der Vorstellung des Verfahrens auf der Jahrestagung der SDW Niedersachsen in Altwarmbüchen bei Hannover am 12. März 2010.
Foto: F. Gregorius, SDW Niedersachsen

Der klimaplastische Wald
 Strategie der forstlichen Risikovorsorge angesichts einer unvorhersagbaren Zukunft
 

Vielfältiger Frühjahrsaspekt der Bodenvegetation in einem Winterlinden-Hainbuchen-Buchenwald auf nährstoffreichem Mergelboden. Foto: M. Jenssen.

Wie kann man Biodiversität messen? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen pflanzlicher Biodiversität und Ökosystemprozessen auf unterschiedlichen räumlichen Skalen?  Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Vielfalt der Pflanzenarten und der pflanzenverfügbaren Energie in einem Ökosystem? Wie wird die Pflanzenartenvielfalt durch Bewirtschaftung und Umweltveränderungen beeinflusst? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Wissenschaftler am Waldkunde-Institut Eberswalde seit über anderthalb Jahrzehnten.

In einer aktuellen Publikation im “International Journal of Ecology” werden auf der Grundlage von mehr als 12 000 Analysen der Waldvegetation und ihrer Umweltfaktoren neue theoretische Ansätze zum Verständnis und zur Modellierung der Pflanzenartenvielfalt in Wäldern entwickelt. Der Zeigerwert der Pflanzenarten wird genutzt, um die Veränderungen der Pflanzenartenvielfalt in Wäldern seit mehr als einem halben Jahrhundert  in ursächliche Zusammenhänge mit den luftgetragenen Einträgen von Stickstoff in Beziehung zu setzen und Schwellenwerte für eine Gefährdung der pflanzlichen Biodiversität und der Ökosystemfunktionen abzuleiten. Diese Ergebnisse eines Projektes des Umweltbundesamtes wurden im jüngsten Statusbericht des europäischen “Coordination Centre for Effects (CCE)” zur Umsetzung und Überwachung der UNECE-Luftreinhaltekonvention veröffentlicht. 

Klimaplastische Wälder können sich durch Veränderung der Mengenanteile ihrer Baumarten an ein sich wandelndes Klima anpassen. Natürliche Vorbilder sind Linden-Hainbuchen- Buchenwälder und Eichen-Buchenwälder, die sich heute in Fragementen in einem Übergangsbereich zwischen atlantischer und kontinentaler Klimatönung am Südrand des baltischen Buchenwaldareals nachweisen lassen. Auch in bewirtschafteten Wäldern können unterschiedliche Baumarten durch Ausnutzung der kleinräumigen Vielfalt der Standortsbedingungen in eine Wechselwirkung gebracht werden, die das ökologische Gesamtrisiko auf der Ebene des Bestandes, des Betriebes und der Region erheblich senkt.

Interview zu Wald und Klima im Deutschlandfunk am 09.09.2009 am Rande des 6.BMBF Forums für Nachhaltigkeit in Hamburg (MP3, 4,6 MB)

“Laborgespräch” mit der Wissenschaftsjournalistin Dr. Caroline Möhring (November 2007)

Klimaplastischer Wald in WIKIPEDIA

Interview Saarbrücker Zeitung vom 24.10.2007

Pressechos auf Potsdamer Klimakonferenz 2006:
Spiegel online 14.11.06, RBB Online 9.11.06
Vortrag: Kurzfassung (pdf  17k), PowerPoint (pdf 4 MB)
 

Buchenmischwald mit Feldahorn (Mitte) und Hainbuche (links) als natürliches Vorbild klimaplastischer Wälder (NSG Zichow bei Prenzlau, Foto: Jenssen)

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zum klimaplastischen Wald:
 

JENSSEN, M. (2009): Der klimaplastische Wald im Nordostdeutschen Tiefland – forstliche Anpassungsstrategie an einen zu erwartenden Klimawandel. In: Wald im Klimawandel – Risiken und Anpassungsstrategien. Eberswalder Forstliche Schriftenreihe Bd. 42, 101-117. Link zum Download.

JENSSEN, M. (2009): Die Grüne Douglasie im klimaplastischen Wald des Tieflandes – ökoklimatisch-waldgeografische Grundlagen. In: Die Douglasie im nordostdeutschen Tiefland – Chancen und Risiken im Klimawandel. Eberswalder Forstliche Schriftenreihe Bd. 43, 15-22. Link zum Download.

JENSSEN, M. (2009): Der klimaplastische Wald – ökologische Grundlagen einer forstlichen Anpassungsstrategie. Forst und Holz 64 / 10, 14-17.

JENSSEN, M. (2009): Forstpraktische Umsetzung des Leitbildes klimaplastischer Wälder im nordostdeutschen Tiefland. Forst und Holz 64 / 10, 18-21.

JENSSEN, M. (2009): Der klimaplastische Wald im im nordostdeutschen Tiefland. Abschlussbericht zum BMBF-Forschungsvorhaben 0330562H, 119 S., (pdf 9MB)

JENSSEN, M., HOFMANN, G. & U. POMMER (2007): Die natürlichen Vegetationspotentiale Brandenburgs als Grundlage klimaplastischer Zukunftswälder. Beiträge zur Gehölzkunde 2007, Preprint (7 MB)

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Ausgewählte wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Pflanzenartenvielfalt:

JENSSEN, M. (2010): Modellierung und Kartierung räumlich differenzierter Wirkungen von Stickstoffeinträgen in Ökosysteme im Rahmen der UNECE-Luftreinhaltekonvention. Teilbericht III: Modellierung der Wirkung der Stickstoff-Deposition auf die biologische Vielfalt der Pflanzengesellschaften von Wäldern der gemäßigten Breiten. Umweltbundesamt, Texte 09 / 2010, ISSN 1862-4804, 50 S. http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3910.pdf.

JENSSEN, M. (2009): Assessment of the effects of top-soil changes on plant species diversity in forests, due to nitrogen deposition. In: Hettelingh, J.P.; Posch, M.; Slootweg, J. (eds.): Progress in the modelling of critical thresholds, impacts to plant species diversity and ecosystem services in Europe: CCE Status Report 2009. Coordination Centre for Effects, www.pbl.nl/cce (www.rivm.nl/cce in the course of 2010), ISBN 978-90-78645-32-0, pp. 83-100.

JENSSEN, M. (2009): Relating Plant Biodiversity in Forests with the Spatial Scale of Ecosystem Processes. International Journal of Ecology, vol. 2009, Article ID 683061, 12 pages, 2009. doi:10.1155/2009/683061. http://www.hindawi.com/journals/ijeco/2009/683061.htm

JENSSEN, M. (2008): Potenziale der Artenvielfalt und Selbstorganisation. Der „gute ökologische Zustand“ langlebiger terrestrischer Ökosysteme aus Sicht der systemökologischen Waldforschung. UBA-Texte 29 / 08, 110-126. http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/dateien/3508.htm

JENSSEN, M. (2007): Ecological potentials of biodiversity modelled from information entropies: Plant species diversity of North-Central European forests as an example. Ecological Informatics 2/4, 328-336. Online via ScienceDirect: http://dx.doi.org/10.1016/j.ecoinf.2007.06.003

JENSSEN, M. (2006): Entropie und Biodiversität: Ökologische Potentiale der Artenvielfalt. In: PÖSCHEL, T.; MALCHOW, H.; SCHIMANSKY-GEIER, L. (Hrsg.): Irreversible Prozesse und Selbstorganisation. Logos-Verlag Berlin, 2006, ISBN 3-8325-1350-7, S. 265-279.

JENSSEN, M.; HOFMANN, G. (2005): Einfluss atmogener Stickstoffeinträge auf die Vielfalt der Vegetation in Wäldern Nordostdeutschlands. Beitr. Forstwirtsch. u. Landsch.ökol. 39 / 3, 132-141.

JENSSEN, M. (2004) Ökologischer Waldumbau – ein Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention? In: KORN, H.; FEIT, U. (Bearb.): Treffpunkt Biologische Vielfalt IV. Bundesamt für Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg 2004, ISBN 3-7843-3849-6, 91-96.

JENSSEN, M.; HOFMANN, G. (2003): Die Quantifizierung ökologischer Potentiale der Phytodiversität und Selbstorganisation der Wälder. Beitr. Forstwirtsch. u. Landsch.ökol. 37 / 1, 18-27.

JENSSEN, M.; HOFMANN, G. (2002): Pflanzenartenvielfalt, Naturnähe und ökologischer Waldumbau. AFZ-Der Wald 57 / 8, 402-405.

JENSSEN, M.; HOFMANN, G. (2001): Zur Quantifizierung der Pflanzenartenvielfalt in Wäldern. AFZ-Der Wald 56 (2001) 16, 854-856.